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2.590 Kilometer mit Beifahrer
Montag, 24.10.2011 ca 15:00 Uhr
Es klingelt an der Haustür, der da steht vor der Tür und bittet um Einlass. ![]()
Er hat eine Strecke von über 400km hinter sich, um in seinem Urlaub mal eine Woche das Leben eines Brückenzugfahrers mitzuerleben, und steht bepackt wie ein Muli parat.
Sein Gerödel wird erstmal nur in den LKW geschmissen, denn Einräumen und Verstauen kann man später noch immer.
Sein Transportgerät ist technisch derzeit nicht in bester Verfassung – somit muss dieses anschließend erstmal in der von mir genutzten Tiefgarage “versteckt” werden. ![]()
Ich mit meinem Turbotrecker vorneweg, er hinterher. In der Tiefgarage angekommen mache ich einen folgeschweren Fehler: ich lasse meinen Schlüssel im Zündschloss stecken und schmeisse die Fahrertür hinter mir zu … die Tür verriegelte sich augenblicklich selbsttätig. Dumm nur, dass man eine Zentralverriegelung hat, und auch nur einen Schlüssel.
Also stand als nächstes erstmal “Einbruch ins eigene Auto auf der Tagesordnung”. Da ich diese blöde Zentralverriegelung ja bereits in den Fingern hielt, wusste ich, dass ich ohne Gewalt keine Chance habe, ins Autoinnere zu kommen. Da ich noch die Preise für Autoglas in Erinnerung hatte, entschied ich mich für die Variante Türschlossknacken, um an die Mechanik zum Entriegeln zu kommen. Das Türschloss überlebte diese Aktion leider nicht – also ist fortan die Beifahrertür die Tür, über welche ich ins Auto gelange, denn auch der Türgriff wurde etwas in Mitleidenschaft gezogen.
Zurück nach Hause. Kurze Tourbesprechung … es geht in die Region, in welcher er wohnt. Nein, noch besser, es geht sogar in den Ort, in welchem er wohnt – somit hätte er sich die Fahrt zu mir sparen können … er war begeistert. ![]()
21 Uhr, die Tour beginnt.
Dienstag, 25.10.2011
Nach mehreren Lade- und Entladestellen erreichen wir seinen Wohnort und die Ladestelle, welche sich als recht interessant herausstellte.
Lade ich für gewöhnlich an Toren und Torrampen, stand dort lediglich ein Loch in der Wand und eine daran montierte klappbare Laderampe zur Verfügung, der Platz davor zum Rangieren war minimalistisch. Die Firma lag an einem Hangstück, an welchem man unten bereits grübelte, ob man wirklich bis zum Ende fahren soll.
Die beiden Sattelzüge vor mir gingen auch recht zügig, und ein Fahrer meinte nur “joar, da kommt im weiteren Verlauf eine Wendemöglichkeit für LKW” – ich war beruhigt, mein Beifahrer weniger, denn dieser stiefelte den Waldweg im weiteren Verlauf ab, und als er wiederkam, schmiss er mir ein “na dann gleich viel Spaß” an den Kopf, gepaart mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck.
Als die Verladung dann schließlich beendet war, sah ich die sogenannte “LKW-Wendestelle”. Es handelte sich um eine hundsgewöhnliche und schmale Straße, welche links eine klitzekleine Ausbuchtung spendiert bekommen hat, welche mit Felsbruchsteinen dekoriert wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite war eine Gaststätte, welche direkt am Eingang einen überdimensional großen Bruchstein abgelegt hatte, vermutlich, weil zu viele LKW den Eingansbereich dort beschädigt hatten. Zwischen der großzügigen Einbuchtung und dem Eingang lagen ca 10 Meter Platz – DAS WAR DER LKW-WENDEPLATZ! Ich hatte mich zuvor bereits gewundert, warum die beiden Sattelzüge jeweils so lange gebraucht haben, um aus dem Waldstück wieder herauszukommen – jetzt wusste ich es!
Das Wendemanöver war zwar nicht ganz so extrem wie dieses hier, aber ansonsten identisch – mein Beifahrer fand den Winkel des Anhängers zum LKW jedenfalls nicht mehr wirklich lustig, zumal ich voll beladen war und der Anhänger gefährlich auf der Vorderachse schwankte. ![]()
Leider war ich so im Eifer und er von dem Manöver so fasziniert, dass wir beide vergassen, davon Bilder zu machen.
Mittwoch, 26.10.2011
Fahrt nach Holland zu den Käselutschern, irgendwo zwischen Amsterdam und Antwerpen.
Die Fahrt dahin mitten in der Nacht entpuppte sich als wahre Qual – denn die Autobahnen dort sind so gut, dass es schon ermüdend ist!
Beim Empfänger angekommen dann die Einsicht, dass die Holländer Gliederzüge kategorisch ablehnen, und auch die Höfe entweder auf Moppelkarren (7,5 bis 12 Tonnen), oder aber auf Sattelzüge ausgelegt sind, und ein Gliederzug dort echt am Kurbeln ist. Leider durfte ich dort auch noch komplett umbrücken, was sich mit dem Anhänger als echte Herausforderung darstellte – aber ich liebe ja Herausforderungen.
Ohne Verluste und Schäden waren wir knapp eine Stunde später dann auch schon wieder auf dem Rückweg Richtung deutschsprachiges Land, das Land mit den total kaputten Autobahnen. Warum kostet so ein LKW eigentlich um die 1.000,- EUR Maut im Monat (!!!), wenn davon nichts im Straßenbau ankommt???
Donnerstag, 27.10.2011
Pullertour deluxe, aber leider mitten nach Hamburg rein. Da bei der Abladung noch nicht feststand, wie es anschließend weitergeht, mussten wir leider in HH stehenbleiben – nur gut, dass man sich so manche Stich- und Querstrassen pro Stadt merkt, in welchen man mit einem LKW parken kann; die Pause wurde recht zügig eingeläutet.
Freitag, 28.10.2011
Wieder eine Pullertour. Hamburg – Rendsburg – Hamburg – Wilhelmshaven. Schon im Vorfeld erwähnte ich zu meinem Beifahrer, dass er sich bei der letzten Tour nicht wundern solle, denn es werden Leer-Corletten transportiert. Man kann diese zwar gegen das Rollen sichern, indem man die Bremse einlegt, muss man aber nicht, dann scheppert es eben recht lustig in den Metallbüchsen. ![]()
Auf der Fahrt nach Wilhelmshaven habe ich dann auch einige Male demonstriert, wie Fussgänger auf ein plötzliches Scheppern auf einem LKW reagieren.
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In WHV angekommen, ging es dann auch recht fix. Entladung, und dann ab in die Ecke zum Pennen. Mein Beifahrer jedoch war da anderer Ansicht – er wollte sich nochmal die Beine vertreten und tigerte unrasiert und dunkel bekleidet durch das Gewerbegebiet – die zivile Polizeistreife fand das wohl höchst verdächtig und griff ihn erstmal auf. Am LKW durfte er sich dann erstmal ausweisen, nachdem die Polizei mich und den LKW ausgiebig gemustert haben.
Samstag, 29.10.2011
Wilhelmshaven – Herford – Berlin – Strausberg. Aus meiner Sicht bis zum letzten Kunden nichts weltbewegendes, ausser diese verkackte A2, welche fast auf kompletter Länge mit dieser “automatischen Regelanzeige” ausgerüstet ist, und dementsprechend mitten in der Nacht bei wenig bis kaum Verkehr ein LKW-Überholverbot anzeigte.
Im Normalfall habe ich mit einem LKW-Überholverbot ja keine Berührungsängste (dank der automatischen Abstands- und Geschwindigkeitsregelung im LKW), aber wenn vor mir ohne Grund zwischen 60 und 90 wirklich jede Geschwindigkeit gefahren wird, und deutsche Arschlochkollegen sich auch noch ein Späßchen daraus machen, andere Kollegen absichtlich auszubremsen, geht mir echt die Hutschnur hoch! Bei solchen Vögeln brauchen wir uns echt nicht wundern, wenn der Ruf immer mieser wird!
Nunja, auf dem Berliner Ring wurde es dann erfahrungsgemäß wieder etwas hektischer (da ist eben immer etwas los), und nach einem kurzen Tankstop in Ludwigsfelde ging es dann auch rein nach Berlin-Tempelhof, genauer gesagt in die General-Pape-Straße auf ein ehemaliges Kasernengelände. Mein Beifahrer dürfte meine dortige Entladestelle in bester Erinnerung behalten, denn die Platzverhältnisse dort waren sowas von minimalistisch, dass selbst eine Mücke dort Platzangst bekommen hätte! Ein Sattelzug oder ein Tandemzug haben dort schlichtweg keine Chance, und selbst Gliederzugfahrer haben sich dort schon oft genug festgerammelt, da man einfach keinen Platz zum Korrigieren hat, da MUSS jeder einzelne Zug sitzen, sonst rückt der Bergekran an.
Auch hiervon habe ich leider keine Bilder gemacht.
Im Anschluss folgte “nur noch” die tiefenentspannte Fahrt gens Heimat und die Demonstration meinerseits, wie man in Berlin LKW fahren MUSS, wenn man stressfrei zuhause ankommen will – das war ihm dann wohl doch etwas zu stressig.
Wenn ich mich recht entsinne, fielen Worte wie “fliegen”, und dabei war ich noch garnicht im Begrenzer.
Ich bin ein klarer Ablehner von 2-Mann-Besatzungen, erst Recht in so einem kleinen Daimler-Pisspott, aber erstaunlicherweise klappte das alles recht gut. Jetzt aber freue ich mich auf mein langes Wochenende (da hier ja Montag die ungläubigen Haiden einen religiösen Feiertag feiern), und auf die zukünftige Bewegungsfreiheit in meinem Pisspott, denn das ganze Gerödel von 2 Mann in so einem kleinen LKW schränkt dann doch stark ein.
Tom, es hat Spaß gemacht – ich hoffe, Dir auch.
Ich hoffe Du kannst nun etwas nachvollziehen, warum genau das meine Welt ist, und nicht so ein blöder Sattel oder ein Tandem.
Ich weiss, das ist nicht Deine Welt, aber hoffentlich hilft Dir die eine Woche, Deinen Job wieder etwas mehr zu mögen.
Heute ist der Urlaub vorbei!
Als wenn der Start nach einem Urlaub nicht schon schwierig genug wäre! Nein, da muß man auch noch Sonntag um 22:00 Uhr anfangen!
Und das alles wegen einem einzigen Kunden!
Dieser Kunde ist im Straßenbau tätig, das heutige Projekt ist eine Autobahn (ca 80 km von hier entfernt).
Das dumme an solchen Baustellen ist, dass diese nach Möglichkeit zu Zeiten betrieben werden (sollen), in welchen andere Autofahrer nicht unnötig behindert werden (sollen).
Denken wir doch mal scharf nach: Sonntag abend, ab 22:00 Uhr ist für Berufskraftfahrer offiziell die Sonntagsruhe (und damit das Sonntagsfahrverbot) vorbei, alles was mehr als 3,5t hat findet man nun auf der Autobahn – soviel zu dem Thema unnötige Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer!
Naja, für diesen einen Kunden heisst es heute abend bis morgen früh um ca. 2:00 Uhr Nachtschicht einlegen.
Morgen früh will ich dann doch endlich mal den Motor sowie den BMW in die Werkstatt bringen, nachdem ich am Freitag erkennen mußte, dass auch Werkstätten Brückentage nutzen (scheiss Sauftag!), und ich somit meine Planung komplett über Board werfen konnte.
Mal nachrechnen, 2:00 Uhr Schichtende würde bedeuten, dass ich frühestens um 11:00 Uhr (Schichtpause gekürzt auf 9 Stunden) wieder einen LKW bewegen könnte. Das würde wiederum bedeuten, dass ich morgen dann eine Schichtzeit von ca. 10 Stunden hätte, da ich bis voraussichtlich 21:00 Uhr mit dem LKW unterwegs bin.
Dann nochmal 11 Stunden (plus die 3 fehlenden vom Vortag) Schichtpause bedeutet, am Dienstag frühestens um 11:00 Uhr Schichtbeginn, wenn man diese beschissenen (und umständlichen) gesetzlichen Regelungen einhalten will.
Da ich aber am Dienstag bereits um 7:00 Uhr anfangen muß, bedeutet das den zweiten Tag in Folge Schichtpause kürzen auf 10 Stunden, was gesetzlich bereits extrem grenzwertig ist, denn ich darf nur 2x in der Woche die Pause kürzen, und das eigentlich auch nicht direkt hintereinander.
Außerdem muß ich die gekürzte Pause spätestens zum WE nachholen.
Aus dieser Sicht gesehen ist Nahverkehr der letzte Scheiss!
Auf der einen Seite muß man eine Million Gesetze berücksichtigen (wovon die meisten PKW-Fahrer nur träumen), auf der anderen Seite hat der Betrieb ein berechtigtes Interesse daran, seine Aufgaben pünktlich zu erledigen und seine Kunden zufriedenstellend zu bedienen, was in einem Land wie diesem aber unmnöglich unter einen Hut zu bringen ist!
Und der Fahrer ist dann der Idiot, der dann wieder in der Zwickmühle steckt!
Zum einen will er seinen Chef nicht unnötig auf die Palme jagen, zum anderen ist er aber der Gearschte, wenn er in eine Kontrolle kommt . SCHEISS DEUTSCHLAND!
Noch eine Regelung kotzt mich derzeit in diesem Lande so richtig an: die Mitführpflicht der Tachoscheiben von den letzten 28 Werktagen PLUS die der laufenden Woche!
Wenn man jeden Tag 2 verschiedene LKWs bewegt, kommen so z.B. schonmal bis zu 66 Tachoscheiben (!!!) zusammen!
Wenn man jetzt in diesem schweinelangen Zeitraum auch noch ein oder zwei Werktage hatte, an welchem man keinen LKW gelenkt hat, wird eine vom Chef unterschriebene und abgestempelte Bestätigung fällig, dass man an diesen Tagen keinen LKW gelenkt hat!
Nur aus dieser Sicht sieht man eindeutig, dass der Gesetzgeber null Interesse daran hat, den Berufskraftfahrer zu schützen bzw diesen zu entlasten, sondern gezielt in ein illegales (und unvermeidbares) Handeln zu treiben!
Auch ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass bei ca 70 kontrollierbaren Tachoscheiben irgendein Verstoß gefunden wird, welcher geahndet werden kann – natürlich steht hier immer die Sicherheit im Vordergrund!
Ich kann mich nur wiederholen: Erst wenn der PKW-Fahrer solch ein unerfüllbares Regelwerk auferlegt bekommt, wird es wieder sicherer auf Deutschlands Straßen!
Was mich in diesem Staat aber so richtig ankotzt sind die dummen Aussagen noch dümmerer PKW-Fahrer über LKWs und dessen Fahrer!
Diese wissen garnicht, wie wichtig der LKW ist. Auch wissen diese nicht um die ganzen Schwierigkeiten, ein solches Gefährt im Straßenverkehr zu bewegen.
Erst Recht aber scheitert es an dem nötigen Verständnis, dass es Situation gibt, in welchen der PKW-Fahrer einfach mal zurückstecken MUSS, denn ein LKW ist eben nicht so einfach zu rangieren wie 4m vollverglaste Alufolie…….
Erster Arbeitstag im neuen Jahr…
…und dieser fängt mit gerade mal 3 Stunden Schlaf davor an – na prima!
Vielen dürfte es heute wie mir gehen: erster Arbeitstag im neuen Jahr, und unheimlich träge (und lustlos).
All jenen, welchen es so geht die frohe Kunde: nur noch 54 Arbeitstage (knapp 11 Wochen) bis zum nächsten Feiertag (Karfreitag, 21.03.2008). :mrgreen_wp:
Ansonsten allen eine knitterfreie Fahrt zum Sklaventreiber, und lasst Euch nicht unterkriegen!
Noch 3 Tage…
Klassisches Eigentor meinerseits!
Man sagt seinem Chef ja auch nicht, dass für den nächsten Tag gerade mal 2 Kunden anstehen und man gegen 9:00 Uhr wieder auf dem Hof steht!
So bekam ich nach dem anschliessenden Tankwagenauffüllen mal eben einen Großkunden auf´s Auge gedrückt, welcher mit der kleinen Gurke insgesamt 2x angefahren werden muss, dazu kommen 3 Fahrten zum Tanklager – voraussichtlicher Feierabend morgen: 16:00 Uhr!
Dann äußerte mein harmoniebedürftiger Chef heute den Wunsch, am Freitag (letzter Arbeitstag in diesem Jahr) meine Wenigkeit, den Vollspacken und sich selbst sehen zu wollen, und zwar zeitgleich an einem Tisch, um den Januar nächsten Jahres zu besprechen.
Pure Schutzbehauptung! Ich kann mir lebhaft vorstellen, worum es geht…………….na wenn das mal nicht in die Hose geht!
Noch 4 Tage…
…dann habe ich endlich Urlaub!
Das bedeutet, dass ich dann ganze 2 Wochen Zeit habe, mich um liegengebliebenes zu kümmern.
Das bedeutet auch, dass ich anschließend nur noch eine Woche lang den Mini-LKW fahren muss – dann gibt´s endlich den großen.
Das bedeutet auch, dass ich dann nicht mehr auf den Baustellen herumkrepeln muss, und ich demzufolge mal wieder mit "normalen" Menschen in Kontakt komme.
Bezüglich der Auseinandersetzung mit dem Vollspacken aus der Firma hat sich Cheffe bislang nicht weiter ausgekäst – ich denke mir mal, dass das als gutes Zeichen gesehen werden kann.